Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen im Stadtverband Bergkamen

Geschichtliche Hintergründe zur Frauenbewegung in Bergkamen

Nach dem zweiten Weltkrieg  gründeten sich nicht nur die Parteien neu in Bergkamen, sondern auch Frauengruppen  der Parteien wurden ins Leben gerufen.  

Der Auslöser für die Gründung von Frauengruppen auf breiter Ebene war die 23. Delegiertenkonferenz des SDS ( Sozialistischer Deutscher Studentenbund) im September 1968. Die Berliner Filmemacherin Heike Sander hielt eine Rede zur Befreiung der Frauen , auf die die Männer mit höhnischer Ignoranz reagierten. Diese Reaktion führte in vielen bundesdeutschen Universitätsstädten zur Gründung autonomer Frauengruppen.

„Der bundesdeutsche Regierungswechsel von 1969  ( Kiesinger CDU –Brandt SPD) versprach unter dem Motto „Mehr Demokratie wagen“, die ungleichen Lebenslagen von Frauen und Männern zu verändern.                                                                  

Vor diesem Hintergrund forderten die westdeutschen Frauen  in der ersten Phase des  Aufbruchs politische Macht als Instrument zur Durchsetzung ihrer Ziele, vor allem die Abschaffung des §218 ,“Mein Bauch gehört mir“ oder Slogans wie :“Frauen gemeinsam sind stark“, artikulierten das gewachsene Selbstbewusstsein .“ Das Thema „Gewalt gegen Frauen“ rückte immer mehr in den Vordergrund.

Die zweite Phase begann mit dem Zustrom  bisher eher als unpolitisch definierten Frauen. Selbsterfahrungsgruppen und Theorie – Arbeitskreise begannen eine breite Analyse  der Diskriminierung von Frauen.  In Bergkamen entstand  bei der VHS ein Frauengesprächskreis. 1980 fand dann als Abschluss  der Frauen –Bildungs - und Kulturwoche das erste Frauenfest in der Pfalzschule statt.

„In der dritten Phase wurde die Umwertung  aller bislang als minderwertig dargestellten Eigenschaften zu Stärken betrieben.“ Manche Hoffnungen aus dieser Zeit scheiterten an der Realität. Auch Frauenprojekte waren und sind auf die Unterstützung  und Zusammenarbeit mit Männern  angewiesen.

Das mussten auch die Frauen erfahren, die sich für die Errichtung eines Frauenhauses für den Kreis Unna einsetzten. Zudem gab es zu Beginn Probleme bei der Zusammenarbeit autonomer und politischer Frauen.

Ich erinnere hier an die Tagungen in Lünen und in der nach Herausnahme des Frauengesprächskreises aus dem Angebot der VHS gegründeten Frauenwerkstatt in Oberaden. Erst nach einigem Ringen  konnte die Skepsis der autonomen Frauen gegenüber den politischen Frauen überwunden werden und gemeinsam an dem Aufbau des Frauenhauses und einer Beratungsstelle gearbeitet werden.

So wurde auch in Bergkamen die vierte Phase der Frauenbewegung eingeläutet: Die Phase der „politischen Einmischung.“ Die Frauenbewegung verlor in den 80er Jahren ihre Skepsis gegenüber der parlamentarischen Politik. In Bergkamen wurde 1984 ein Gleichstellungsausschuss gebildet.  Erste Vorsitzende wurde Ursula Rohde. Ihr folgten Regina Müller – Hinz und Karin Mack , bis die Aufgaben des Gleichstellungsausschusses 1999 in den Aufgabenbereich des Haupt – und Finanzausschusses  verlegt wurden.

„Gleichstellungsgesetze oder Frauenförderpläne hatten Konjunktur. Der Trend zu einer Professionalisierung und Verrechtlichung von Frauenpolitik war unübersehbar. … Auch in den Parteien erreichte die Frauenbewegung politische Veränderungen. Seitdem die Grünen Quoten und Frauenlisten in die bundesdeutsche Parteienlandschaft eingeführt haben, wird über Strategien der politischen  Teilhabe der weiblichen Mehrheit auch in anderen Parteien nachgedacht. „ In der SPD gibt es seit 1980 eine satzungsmäßig vorgeschriebene  Quote von Frauen bei der Vergabe von Parteifunktionen und Mandaten , die bis 1994 erreicht werden sollte.

1986 wurde das Frauenforum gegründet und  unter seinem Dach wurden dann : 1987der Frauennotruf , 1988 das Frauenhaus  und kurze Zeit später  die Frauenberatungsstelle für den Kreis Unna Wirklichkeit. 1994  folgte die Frauenpension für Frauen ohne Wohnung und 2003 die Frauenräume. 

Dazu beigetragen hatten sowohl die autonomen Frauen als auch Politikerinnen aller Parteien, die sich in ihren Parteien „stark“ gemacht hatten für das Projekt. Roland Schäfer , neuer Stadtdirektor und heutiger Bürgermeister konnte 1989 die erste Gleichstellungsbeauftragte, Sabine Ostrowski, für Bergkamen begrüßen . Ihr folgten Irma Köster, Monika Lichtenhof und Martina Bierkämper. Die Vorbereitungen für die Internationalen Frauentage (seit 1983 wurde dieser Tag in jedem Jahr gefeiert), die erfreuliche Zusammenarbeit der vielen unterschiedlichen Frauengruppen und Einzelpersonen  führte dann zu der Idee auch in der restlichen Zeit des Jahres zusammen zu arbeiten . Die Idee eines Mädchen -und Frauennetzwerkes wurde geboren.

Trotz der aufgeführten Erfolge gilt auch für Bergkamen:

„Die Frauenbewegung hat bislang nur wenige ihrer weitreichenden Ziele erreicht. Sie hat nicht die Abschaffung der weiblichen (Alters-)Armut bewirken können , noch die der Gewalt gegen Frauen oder der offenen bis verdeckten Diskriminierung . Aber die Sensibilität gegenüber geschlechtsspezifischen Diskriminierung sind gestiegen und die Politik hat dazu gelernt. 

Emanzipation und die Bewegung von Frauen sind als ständige Herausforderung zu sehen und als mühsamer Prozess gegen vielfältige Widerstände – äußere wie innere-, der davon abhängen wird, wie mutig und selbstbewusst , hartnäckig und ungeduldig , stur , solidarisch und frech Frauen für ihre Rechte eintreten werden.

Dass dies künftig gemeinsam mit Frauen und Männern von überall her getan werden kann , ist eine Hoffnung für die Zukunft.“

Wir wollen diese Zukunft mitgestalten. Und wir freuen uns über jede Frau, die bereit ist mitzuhelfen , eine weitere Phase der Frauenbewegung zu schreiben.

 

Ihre/Eure  AsF Bergkamen

 

Ute Scheunemann

Zitate aus : Frauenbewegung ab 1968: Der Aufbruch der Frauen ins 21. Jahrhundert
Wissens – Center, Wissen Media Verlag GmbH , Gütersloh/München